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Stromberg: Die wichtigsten Charaktere und Interview

Die wichtigsten Charaktere

Bernd Stromberg

Von der Presse auch schon mal als „der schlimmste Chef Deutschlands“ tituliert, sieht er sich selbst

eher als jemand, der weiß, wo der Hase in der Arbeitswelt lang läuft. Er geht stramm auf die 50 zu und

schwankt zwischen einem – nicht durch Kompetenz begründeten – Selbstbewusstsein und der großen

Angst, letztlich an allen Fronten vor dem Nichts zu stehen. Beständig wird im Büro an seinem Stuhl

gesägt, und auch privat sieht es eher düster aus, seit er von seiner Frau verlassen wurde. Aber Stromberg

ist ein Kämpfer. Er lässt sich nicht unterkriegen. Nicht von den Mitarbeitern, nicht von den Vorgesetzten

und schon gar nicht von den Frauen oder dem Leben. Bernd Stromberg hat eine Menge

Vorurteile und keine Scheu sie laut auszusprechen. In vieler Hinsicht ist er so deutsch wie Schweinebraten

und Bier. Er kann es sich zwischen zwei Fettnäpfchen durchaus gemütlich machen und ist der

Meinung, dass die Welt deutlich besser wäre, wenn sie sich mehr an ihm orientieren würde.

Ernie (Bertold) Heisterkamp

Ernie ist das typische Mobbingopfer. Einer, der auch schon zu Schulzeiten nie beliebt war, was aber aus

seiner Sicht immer an den anderen lag. Er kann den meisten Dingen nichts abgewinnen, mit denen die

anderen sich beschäftigen. Spaß, zum Beispiel, findet er überbewertet. Sein Nervenkostüm ist nicht das

Beste. Bis zu ihrem Tod hat er mit seiner Mutter gelebt, und obwohl er hin und wieder sogar mal eine

Freundin hatte, halten diese Beziehungen nie lange. In der letzten Staffel hat er eine gewisse Entwicklung

durchgemacht, die ihn am Ende auf die Position des stellvertretenden Leiters der Abteilung bringt.

Jennifer Schirrmann

Jennifer ist eine allein erziehende Mutter auf der Suche nach einem neuen Leben. Sie ist auf der Straße

des Lebens schon das ein oder andere Mal falsch abgebogen. Zuletzt bei Bernd Stromberg, mit dem sie

eine Art Affäre hatte, weil sie dachte, er sei anders als die anderen. Nicht ganz falsch, in jeder Hinsicht…

Tanja Steinke (geb. Seifert)

Tanja verkörpert die weibliche Seite der Normalität in der Abteilung. Sie ist der der Traum jeder Bausparversicherung.

Sie will eine Familie in den eigenen vier Wänden und einen Job, der sie finanziell absichert.

Und sie hat den nötigen Ehrgeiz, um ihre Pläne auch umzusetzen. Aber ähnlich wie die früheren

DDR-Regierungen musste auch Tanja lernen, dass Pläne sich nicht immer verwirklichen lassen. In der

fünften Staffel der Serie erfährt sie, dass sie höchstwahrscheinlich nicht schwanger werden kann, zumindest

nicht von ihrem Mann…

Ulf Steinke

Ulf ist der männliche Gegenpart im Normalo-Paar. Er will noch nicht so schnell erwachsen werden und

sieht auch seinen Job als ein eher notwendiges Übel. Er will Spaß, gern mit Tanja, aber wenn die nicht

kann oder will, dann auch mit seinen Jungs und den Themen Auto, Fußball sowie Alkohol. Er hält sich

aus den Intrigen im Büro raus, und sieht die Scherze, die er mit Ernie treibt, nicht als Mobbing, sondern

als Notwehr gegen die Langeweile im Büro…

7

Film

Eine Rekapitulation der Ereignisse

– von Ralf Husmann

ALLGEMEINES ZUM FORMAT

Durch die TV-Serie „Stromberg“ wurde der Begriff „fremdschämen“ in Deutschland populär. Die Serie

hat seit 2004 eine feste Fangemeinde. Einzelne Folgen erreichten über zwei Millionen Zuschauer im

Alter zwischen 14 und 49. Die letzte Staffel sahen im Schnitt rund 1,6 Millionen dieser jungen Zuschauer.

Die DVDs der fünf Staffeln wurden bislang mehr als eine Millionen Mal verkauft, somit ist

STROMBERG eine der meistverkauften deutschen TV-Serien.

Die Serie und ihr Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst bekamen insgesamt unter anderem vier Deutsche

Comedypreise, zwei Deutsche Fernsehpreise, den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis.

Auch das Echo in der Presse war positiv. Die FAZ schrieb: „Abgründigere Charaktere als den (…) Bürotyrannen

Stromberg gibt es im deutschen Fernsehen wenige, in der deutschen Comedy gewiss gar

keinen“. Die Süddeutsche Zeitung befand: „,Stromberg‘ (…) gehört zum Besten und Intelligentesten,

was es auf ProSieben bislang zum Lachen gab“. Und auch Der Spiegel schrieb, es sei „die Mischung

aus Tragik und Komik, die den Reiz der Serie ausmache“.

VOM FERNSEHEN INS KINO

Die ersten Notizen für den STROMBERG-Film könnten gut und gerne praktisch noch auf Papyrus geschrieben

worden sein, so alt sind sie schon. Ursprünglich gab es die Idee, zur Eröffnung der vierten

Staffel einen Film zu drehen, der zeigen sollte, wie Stromberg am Ende nach Finsdorf verbannt wird.

Es wurde geplant und geschrieben, vor allem aber wurde gerechnet, mit dem Ergebnis, dass das, was

wir vorhatten, zu teuer und zu aufwändig war für einen Fernsehfilm. „Das ist eher was fürs Kino“, hieß

es, und ab da war der Gedanke in der Welt und unser Ehrgeiz geweckt. Was die Simpsons und die Weiber

von Sex in the City geschafft hatten, sollte doch auch für den Bernd und seine Belegschaft machbar

sein. Die große Leinwand. Alle waren heiß, Darsteller und Macher hatte der Ehrgeiz gepackt. Zumal die

Fragen nach dem Film fortan zu beinahe jedem Interview gehörten und zu fast jedem Gespräch mit

den Fans.

Zum Start der fünften „Stromberg“-Staffel gab es eine Kinotour, bei der in etlichen Städten die ersten

Folgen gezeigt wurden. Ohne jegliche Werbung waren alle Vorstellungen binnen kurzer Zeit ausverkauft,

und etliche tausend Besucher ließen sich in die Kinos locken, um zu sehen, wie es mit den Antihelden

der CAPITOL weiterging. Auch hier tauchte immer wieder die Frage nach dem Kinofilm auf. Und

jedes Mal mussten wir sagen, dass alle Anläufe, den Film zu finanzieren, so ausgegangen waren wie

die Pläne zum Bau eines neuen Berliner Flughafens: Am Ende fehlte Geld.

8

Film

Die Lösung erschien uns plötzlich am Horizont mit einer vollkommen neuartigen Finanzierungsmethode:

Crowdfunding als Investitionsmodell. Die Idee war geboren. MySpass brachte dem Kind das Laufen bei

und rief über sein Netzwerk die „Stromberg“-Fangemeinde dazu auf, das Kinofilmprojekt zu unterstützen.

Und siehe da: Innerhalb einer Woche investierten die Fans 1 Million Euro für den „Stromberg“-Film.

Zusammen mit dem Sender, den Fördergeldern der Film- und Medienstiftung NRW, der FFA und dem

DFFF hatten wir ein Budget, mit dem wir loslegen konnten…

DER DREH

Never change a losing team

Das gilt natürlich nur für die Belegschaft der Schadensregulierung in der CAPITOL, die im Kern seit fast

zehn Jahren unverändert ist – sieht man mal davon ab, dass Erika Burstedts schwaches Herz den Dienst

vorzeitig quittiert hat und sie durch Jennifer Schirrmann ersetzt wurde.

Das Team hinter der Kamera besteht selbstverständlich nur aus Siegertypen, ist aber auch in den

vergangenen Jahren weitgehend unverändert. Wie die Zugvögel kommen alle immer wieder ans

Set von „Stromberg“ zurück, um für ein paar Wochen in mühsamer Kleinarbeit die Arbeit in einer

Versicherung zu simulieren. Insofern gab es keinen Grund, für den Film an den Schlüsselpositionen

große Veränderungen vorzunehmen.

Johannes Imdahl, genannt das Auge. Er ist als Kameramann nicht nur derjenige, der von Anfang an

dafür sorgt, dass alles rund um die CAPITOL so wirkt, als sei es dem wahren Leben abgeguckt. Er ist

auch ein wandelndes Archiv des Formats. Wer wissen will, wer in Staffel zwei in einer Folge mal diesen

einen Satz gesagt hat, der wende sich an Johannes.

Ann-Katrin Otto ist mit ihrer Crew für das Szenenbild zuständig. Sie sorgt für die liebevoll abgeranzte

CAPITOL und dafür, dass auch alle Motive, an denen wir sonst noch drehen, so aussehen, als hätte eine

Horde Vampire ihnen vor kurzem das Blut ausgesaugt. Ganz egal ob es in der Serie darum ging, das winzig

kleine Etikett für ein erfundenes Raumspray zu basteln, das vermutlich nie im Bild sein würde, oder

jetzt für den Film den Reisebus für den Betriebsausflug zu finden und für unsere Zwecke umzurüsten.

Oder gar ein ganzes Hotel so herzurichten, dass das Elend der deutschen Provinz überall spürbar wird.

Susa Sasserath, die mit ihren Leuten die undankbare Aufgabe hat, unsere Helden in eine Farbpalette

einzukleiden, die mit fifty shades of grey bis Matsch eigentlich hinreichend beschrieben ist. Stromberg

ist im Grunde gar nicht so viel mehr als die Summe seiner Krawatten, und das spricht sehr für die Arbeit

des Kostüms. Im Film kommt noch mal einiges an CAPITOL dazu, aber eben auch ein Alleinunterhalter,

ein paar Prostituierte, eine komplette Hochzeitsgesellschaft und ein ziemlich bockiges Kind…

Mirjam Himmelberger, muss mit den anderen zuständigen Maskenbildnern dafür sorgen, die CAPITOLer

so zu schminken, dass sie möglichst ungeschminkt aussehen. Echt, alltäglich und versicherungskompatibel.

Alle Anflüge von Glamour werden gnadenlos übermalt. Und Bernds Bart immer auf Anschluss gehalten…

9

Film

Nicht zu vergessen auch all die Kollegen, die in echten Büros sitzen und die Abrechnungen machen,

die Drehtage planen, die An- und Abreisen der Schauspieler organisieren, und und und und… Kino ist

ein Mannschaftssport!

…UND WINTER IST EIN ARSCHLOCH

Es hat schon seinen Grund, warum Kinofilme meistens im Sommer gedreht werden. Es ist länger hell

als im Winter, es schneit deutlich weniger, und oft ist es auch wärmer. Aber Film ist ja noch weniger

Ponyhof als Versicherung, insofern kann man es sich nicht immer aussuchen. Es galt, alle Darsteller

und Teammitglieder unter einen Hut zu bringen, und dieser Hut war nur im Februar, März und April

zu kriegen. Man kann in dieser Zeit auch Glück haben. Dann haben der März oder der April schon frühlingshafte

Anflüge. Manchmal kommt die Sonne raus, Krokusse und Schneeglöckchen blühen, und es

ist insgesamt ganz angenehm. Man kann aber auch kein Glück haben. Wir hatten kein Glück. Es waren

häufig Temperaturen im Gefrierfachbereich. Es schneite mal und dann auch wieder nicht, gerne am

selben Tag und am gleichen Motiv, was der Fachmann dann Anschlussfehler nennt.

Im Vorfeld hatten wir uns schon so ziemlich jeden Veranstaltungssaal in und um Köln angesehen, Kinder

wurden gecastet, Reisebusse begutachtet und seriöse Villen auf Pufftauglichkeit abgeklopft. Hotels

wurden gesucht, die nichts dagegen hatten, dass wir dort unsere Kameras aufbauen wollten. Nicht

ganz leicht, denn eigentlich keiner, der noch halbwegs bei Trost ist, lässt ein Filmteam in seinen eigenen

vier Wänden drehen, bzw. in seinen vierhundert Wänden, im Falle des Hotels. So kamen wir auf Arnsberg.

Dort hat man uns in einem Hotel mit offenen Armen empfangen, und die ganze Drehzeit über

blieben die Arme offen, und das Hotel auch. Durchaus nicht selbstverständlich.

Ebenso wenig wie die unverwüstbar gute Laune des gesamten Teams. Alle wollten diesen Film. Christoph,

der sich mutig an das Steuer eines Reisebusses gesetzt hat, und der Rest der Gang, der sich, noch

mutiger, einfach von Christoph fahren ließ. Peter Rütten, der bei eisigen Temperaturen auf dem Parkplatz

etliche Male die Hosen runterlassen musste, Oli Wnuk, der bei hohen Temperaturen in der Sauna

die Hosen runterlassen musste. Komparsen, die auch nachts um drei noch so tun mussten, als hätten

sie blendende Laune, Aufnahmeleiter, die mit der Bitte konfrontiert waren, den Lärmpegel des Sets im

Zaum zu halten, weil nebenan trächtige Pferde im Stall standen. Usw. usw.

10

Film

„EINZIGARTIG IN DEUTSCHLAND“

Ein Gespräch mit Ralf Husmann

Warum war die Zeit jetzt reif für einen Kinoauftritt von Stromberg?

Die Idee gibt es bereits seit einigen Jahren. Diesen Kinofilm wollten wir schon lange machen. Es scheiterte

bislang hauptsächlich an der Finanzierung. Wir haben diverse Szenarien durchgespielt, aber erst durch

die Möglichkeit des Crowdfunding konnten wir den Film so machen, wie wir ihn wollten. Das war für

mich der letzte Versuch, dieses Thema noch einmal in Angriff zu nehmen. Wenn das nicht geklappt

hätte, hätten wir den Kinofilm vermutlich begraben. Ermutigung bekamen wir bei der Kinotour zur fünften

Staffel. Da wurden wir stets gefragt, wann denn nun endlich ein richtiger „Stromberg“-Kinofilm

käme. Kurz danach gab es dann die Idee, über das Crowd-Investing die Fans in die Finanzierung des Films

zu involvieren.

Empfanden Sie es als Herausforderung, STROMBERG – DER FILM vom üblichen Halbstundenformat auf

die Länge eines abendfüllenden Spielfilms auszudehnen?

Natürlich war das die Aufgabe. Aber wir haben auch bei den Staffeln der Serie versucht einen langen

Handlungsbogen zu erzählen – anders als man das bei klassischen Sitcoms gewohnt ist, wo man am

Ende der einzelnen Folge im Grunde wieder am Ausgangspunkt ankommt. Wir haben uns Mühe gegeben,

jede einzelne Figur im Rahmen der acht bis zehn Folgen, aus denen sich eine Staffel zusammensetzt,

eine Entwicklung durchmachen zu lassen. Ernies Depression fällt mir als Beispiel ein oder die Liebesgeschichte

zwischen Ulf und Tanja, die beschließen zusammenzuziehen und am Ende heiraten. Der

Sprung zu einer 90-minütigen Dramaturgie war also gar nicht so riesig groß. Mein Hauptkriterium war

es, alle Figuren unter einen Hut zu bringen und dazu noch ein paar weitere Figuren, die man im Lauf

der Staffeln kennen gelernt hat, auftreten zu lassen. Ich wollte so viel wie möglich unterbringen, gleichzeitig

aber auch den Rahmen nicht sprengen. Die Aufgabe eines Films, der auf einem bereits seit Jahren

laufenden Serienformat basiert, ist ein bisschen anders als die eines klassischen Kinofilms, der zwei

oder drei Hauptfiguren vorstellt und deren Geschichte erzählt. Wir haben fünf oder sechs Hauptfiguren,

die bereits ihre eigene Geschichte mitbringen.

Worauf muss man achten, wenn man weiß, dass es Kino werden soll?

Mir war es wichtig, das Büro, das bei der Serie immer im Zentrum des Geschehens stand, zu verlassen.

Die Idee eines Betriebsausflugs, bei dem man alle in einen Bus setzen kann, lag nahe. Das hat den Vorteil,

dass man –wie im wahren Leben – die Kollegen, die man tagein tagaus im immergleichen Umfeld

erlebt, noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen lernt. Wenn man im Bus sitzt, wird

schnell mal die eine oder andere Flasche Bier oder Schnaps geöffnet, und dann werden die Menschen

auch gleich lockerer und offenbaren neue Seiten von sich. Gleichzeitig ist es in einem so semi-offiziellen

Umfeld doch auch so, dass das Büro immer irgendwie mit dabei ist. Ich wollte dabei unser quasi dokumentarisches

Format bewahren. Die Piefigkeit und Kleinbürgerlichkeit, die im Kern von „Stromberg“

steckt, sollte auch im Kino gezeigt werden. Und trotzdem wollte ich den Fokus etwas aufziehen.

11

Film

Bei der Serie arbeiten Sie mit anderen Autoren zusammen. War es beim Film auch so, dass Sie auf deren

Ideen zurückgriffen?

Schon bei der Serie war es so, dass ich die Bücher der Autoren in Teilen umgeschrieben habe, weil bei

mir die Fäden zusammenlaufen und ich letztlich derjenige bin der weiß, was wir schon erzählt haben,

wo wir uns gerade befinden und wohin die Reise gehen soll. Einer muss bei einer Serie den Hut aufhaben,

anders geht es nicht. Den Film wiederum habe ich nun sehr eigenständig entwickelt und geschrieben.

Wie wichtig war es Ihnen, dass der Film unmittelbar an die Serie anschließt?

Ich ziehe meinen Hut vor Bora Dagtekin und seinem Einfall, seine Serie „Türkisch für Anfänger“ noch

einmal auf Null zu stellen und für das Kino ein Prequel zu erzählen, in dem sich alle bekannten Figuren

der Serie erstmals treffen. Für STROMBERG – DER FILM hätte ich es aber weder interessant gefunden

zu erzählen, wie Bernd Stromberg in die CAPITOL gekommen ist, noch wäre es spannend gewesen, in die

Zukunft zu blicken und nachzusehen, was aus den Figuren geworden ist. Jeder andere Ansatz als den Film

an die Kontinuität der Serie anzuknüpfen wäre nicht realistisch gewesen. Ich hatte auch keine Ambitionen

mir zu überlegen, wie Stromberg das Weiße Haus übernimmt, der Betrieb einen Riesenausflug in die Karibik

macht oder er plötzlich in einem Versicherungsbüro auf Jamaika arbeitet. Mein Ziel war es immer,

da weiterzumachen, wo wir mit einer Staffel aufgehört haben, und nicht etwas Anderes zu erzählen.

Werden auch diejenigen mit dem Film etwas anfangen können, die die Serie nicht kennen?

Das war auf jeden Fall das Ziel. Es ist natürlich eine Herausforderung, die beiden Komponenten zu verbinden,

einen Film zum einen für die Fans zu machen und zum anderen für die, die „Stromberg“ noch

nie gesehen haben. Wir haben z.B. darauf geachtet, in den ersten zehn Minuten die Figuren so einzuführen,

wie wir es in der Serie bei den späteren Staffeln nicht mehr gemacht haben. Und bisherige Reaktionen

haben tatsächlich gezeigt, dass der Kinofilm auch ohne Vorkenntnisse sehr gut funktioniert, auch wenn

sich der Spaß vielleicht noch vergrößert, wenn man die Figuren schon kennt und Insider-Wissen mitbringt.

Stand es für Sie fest, dass STROMBERG – DER FILM der Schlusspunkt für Stromberg ist?

Ich glaube, es würde keinen Sinn machen, jetzt wieder ins Fernsehen zurückzukehren. Allerdings reden

wir schon darüber, wie es mit der Figur weiter gehen kann –wobei ich nicht glaube, dass wir in die CAPITOL

zurückkehren und erzählen, wie es in der Versicherung weitergeht. In meinen Augen ist die Struktur innerhalb

des Bürokosmos auserzählt, ich glaube aber, dass die Figur noch genug Substanz hat. Wir haben

zum Beispiel bis dato sehr wenig aus dem Privatleben erzählt, wir haben vermieden, mit den Figuren nach

Hause zu gehen, sondern waren sehr konsequent immer bei der Arbeit im Büro. Ich habe jedenfalls das

Gefühl, dass ich mit der Figur noch gerne etwas machen möchte. Schauen wir mal, was dabei rauskommt.

Für Sie also noch kein Anlass zur Wehmut?

Die Arbeit am Kinofilm war schon ein bisschen sentimental, weil klar war, dass wir uns in dieser

Konstellation so schnell nicht wieder sehen werden. Wir hatten ja 2004 angefangen und arbeiten

seit zehn Jahren zusammen.

12

Film

Hätten Sie jemals damit gerechnet, dass es so eine lange Reise werden würde?

Damit kann man nicht rechnen. Wenn man eine Serie macht, hofft man immer, dass man die nächste

Staffel machen darf. Es war eine Entwicklung, die keiner von uns absehen konnte, als wir angefangen

haben. Wir haben uns eher von Staffel zu Staffel gehangelt und gehofft, dass es weiter geht. Ganz am

Anfang waren wir ein absolutes Nischenthema, die Quoten sind im Lauf der Zeit aber sogar besser

geworden. Wir hatten viel Glück, dass wir weiter machen durften, und hatten mit ProSieben auch

den richtigen Sender, der den Mut dazu hatte. Mit dem Erfolg, an dessen Ende mehr als eine Millionen

verkaufter DVDs und dann auch noch ein Kinofilm steht, haben wir nie und nimmer gerechnet. In

dieser Form ist das einzigartig in Deutschland.

Wie sehr dürfen andere in die Figuren reinreden?

Wir haben eine sehr klare Arbeitsaufteilung. Es wird nicht in den Arbeitsbereich des anderen reingeredet.

Es gibt keine langwierigen Treffen im Vorfeld, bei denen Christoph Maria Herbst den Wunsch äußert, er

möchte jetzt aber gerne mal mit fünf Frauen im Büro wilde Sachen treiben. Ich schicke die Bücher raus,

und es gibt eine Leseprobe. Jeder hat das Recht zu sagen, wenn er nicht versteht, warum eine Figur dies

oder jenes macht. Aber es hat eigentlich in den zehn Jahren noch nie den Versuch gegeben, eine Teamarbeit

daraus zu machen. Umgekehrt sag ich zum Beispiel auch Christoph nicht, wie er die Figur spielen soll.

Stand für Sie fest, dass die Kreativcrew des Films hinter der Kamera aus gestandenen „Stromberg“-

Veteranen bestehen muss?

Ja. Es hätte keinen Sinn gemacht, für den Kinofilm das Rad neu erfinden zu wollen. Für mich war die

Kontinuität in der Auflösung, Bildsprache etc. wichtig. STROMBERG – DER FILM ist relativ tricky, es ist

nur vermeintlich einfach, in seiner Einfachheit eben relativ schwer herzustellen. Für jeden, der jetzt

von außen dazugekommen wäre, hätte das enorme Schwierigkeiten mit sich gebracht.

Was planen Sie für die Zukunft? Wollen Sie verstärkt Richtung Kino? Oder wird es neue Fernsehformate geben?

Ich hätte nichts dagegen, beides parallel zu machen. Ich finde nach wie vor Fernsehen und das serielle

Arbeiten spannend, weil man im Idealfall viel Zeit hat, Figuren zu entwickeln und mit den Charakteren

spazieren zu gehen. Das liegt mir sehr. Ich erzähle nicht die großen Dramen, sondern beantworte lieber

Fragen wie wer das Fenster aufgemacht hat und warum es Papierstau im Drucker gibt. Das sind ja die

größeren Dramen, die stattfinden. Allerdings finde ich es auch spannend, etwas auf der großen Leinwand

zu erzählen. Man braucht bei Kino nur einen langen Atem, bis es richtig losgehen kann und alles

finanziert ist, das muss man aushalten können. Im Fernsehen ist es auch nicht immer einfach, aber

wenn man sich zu etwas durchgerungen hat, geht es in der Regel wesentlich schneller, das finde ich

angenehm. Idealerweise würde ich beides weitermachen wollen.

Was soll der Kinogänger mitnehmen, wenn er nach STROMBERG – DER FILM das Kino verlässt?

Die Leute sollen vor allem gut unterhalten werden. Es ist immer ein bisschen banal zu sagen, die Leute

sollen Lachen und Weinen, aber im Grunde ist das schon unser Ziel: Dass der Zuschauer diese Mischung

aus der Komödie und der Tragödie der kleinen Dinge versteht. STROMBERG – DER FILM ist keine Schenkelklopf-

Komödie, sondern auch immer ein wenig Drama, eine Vermischung aller möglichen Genres.

Sagen wir so: Die Leute sollen gut unterhalten werden, aber nicht mit dem Gefühl aus dem Kino gehen,

sie hätten sich unter ihrem Niveau amüsiert.

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Film

„NICHTS DEM ZUFALL ÜBERLASSEN“

Ein Gespräch mit Arne Feldhusen

Was sofort auffällt, wenn man STROMBERG – DER FILM sieht, ist der dokumentarische Stil. Wie inszeniert

man das so?

Das frage ich mich auch oft. Letztlich versuche ich so technisch wie möglich an die Arbeit heranzugehen.

Ich bin ein Mensch, der viel beobachtet, ziehe Parallelen und überlege, wie ich Dinge vor der Kamera auf

eine Weise darstellen kann, wie ich es selbst einmal gesehen oder erlebt habe. Und im besten Fall wirkt

das dann eben sehr authentisch. Natürlich kann man das technisch unterstützen, indem man Handkameras

oder ähnliches einsetzt. Wichtig ist mir, den Fokus nicht nur auf die gerade handelnden Personen

zu legen, sondern das komplette Bild zu inszenieren. Ich gehe bis in die letzte Reihe, richte alles so exakt

wie möglich ein und gebe auch den Darstellern Anweisungen, die sich im Hintergrund aufhalten oder nur

durchs Bild laufen. Ich versuche, nichts dem Zufall zu überlassen. Präzision ist total wichtig, wenn man

spontan und zufällig wirken und diese Wirkung einsetzen will. Jeder Blick will genau gelenkt sein.

Letztlich arbeiten Sie auch mit sehr präzisen Vorgaben in den Drehbüchern von Ralf Husmann.

Bis heute werde ich immer wieder gefragt, wie viel bei „Stromberg“ improvisiert ist. Die Antwort ist simpel:

Eigentlich gar nichts. Die Drehbücher sind sehr präzise, bis ins letzte „Äh“ ist jeder Satz festgeschrieben.

Daran wird auch nicht gerüttelt, weil niemand Stromberg und die anderen Figuren besser kennt als Ralf.

Ich denke aber, dass keiner von uns die Drehbücher als Korsett empfindet. Im Gegenteil: Ralf Husmann lässt

mir alle gestalterischen Freiheiten. Ich bin es, der die Drehbücher verfilmt. Und natürlich bin ich dankbar

für die großartigen Texte und Dialoge, die wirklich punktgenau sind. Sie sind unantastbar. Ich kann mich

auf die Inszenierung konzentrieren, fühle mich dabei sehr frei. Und dieses Gefühl versuche ich auch meinen

Schauspielern zu vermitteln. Wir haben große gestalterische Freiheiten – Ralf kommt auch selten zum Dreh,

das überl.sst er uns.

Nach fünf Fernsehstaffeln kommt Stromberg nun erstmals ins Kino.

Die Idee für einen Kinofilm steht schon seit Langem im Raum. Es gab schon relativ zu Beginn der Serie

erste Kinoabende mit „Stromberg“-Episoden, als die Serie noch keine nennenswerte Quote vorzuweisen

hatte. Schon da schwappte uns eine regelrechte Welle der Begeisterung entgegen. Die Vorführungen

waren ausverkauft – und lauter Leute saßen im Publikum, die sich hergerichtet hatten wie Bernd Stromberg.

Wir spürten, dass da etwas in der Luft lag, das wir gerne ins Kino tragen wollten. Wir haben immer

wieder Anläufe für einen Kinofilm gestartet, scheiterten aber am Ende an der Finanzierung.

Was war für Sie beim Kinofilm anders als bei der Serie?

Es liegt im Wesen einer Sitcom, dass sie weitestgehend auf eine Location beschränkt ist – in unserem Fall

ist es das Büro der CAPITOL-Versicherung. Deshalb war auch klar, dass wir etwas Neues bieten und das

Büro verlassen mussten, wenn wir einen Kinofilm machen würden. Wir mussten also die enge Welt der

Serie öffnen – ohne allerdings den „Stromberg-Kosmos“ zu verlassen. Es ging darum, ein realistisches Umfeld

zu schaffen, in dem wir uns ansehen konnten, wie sich unsere Figuren verhalten. Also ging es um

einen Betriebsausflug, das passt einfach sehr genau zu dem, was wir bisher gemacht haben, ist aber doch

anders. Es ist eine Welt der kleinen Leute, die wir von jeher abgebildet haben.

14

Film

Wie arbeiten Sie mit den Schauspielern? Muss man ihnen nach all den Jahren überhaupt noch Anweisungen

geben? Oder muss man es genau deshalb, weil sie ihre Figuren bereits so gut kennen?

Es wird eigentlich schwieriger. Wir wollen die Qualität mindestens halten, aber am liebsten immer

weiter verbessern. Mein Ansporn für eine neue Staffel „Stromberg“ oder einen Kinofilm kann es nicht

sein, dass es einfach nur weitergeht, wir das noch einmal machen, was wir bereits gemacht haben. Es

muss das Gefühl da sein, dass man aus dieser Figur noch etwas Neues herausholen kann, dass man sie

weitererzählen kann, sie noch ungesehene Facetten hat und einen immer noch überraschen kann.

Warum sollte man sich sonst die Mühe machen? Ich bin da nicht sentimental: Wenn etwas ausgereizt

ist, muss man Schluss machen. „Stromberg“ haben wir nicht deshalb immer weitergemacht, weil wir

auf einer Erfolgswelle geritten sind, sondern weil wir immer das Gefühl hatten, dass in den Figuren

und dem Stoff noch etwas drinsteckt, das man herauskitzeln kann. Es muss eine Herausforderung sein.

Selbstgefälligkeit ist kein guter Partner, wenn man Fernsehen oder Kino macht.

Und bei STROMBERG – DER FILM ist das gewährleistet?

Wenn wir uns nach einer Pause wieder treffen, ist immer eine große Freude dabei. Und eine große Lust,

weil wir überzeugt sind, noch einmal einen draufpacken zu können. Es ist für alle eine künstlerische Herausforderung.

Klar, man kennt sich und hat sich aufeinander eingestellt. Aber ich sehe das eher als Ansporn:

Gerade weil man bereits eine gemeinsame Sprache spricht, muss es doch möglich sein, noch ein

Stück weiter zu gehen. Jedes Mal geht es darum, noch einmal von vorn anzufangen, die Figur noch einmal

auseinander zu nehmen und neu zusammen zu setzen, egal, wie gut man sie bereits zu kennen glaubt.

Elementar ist es sicherlich, Wiederholungen zu vermeiden.

Natürlich muss man aufpassen, wenn man schon ein paar Staffeln gedreht hat, dass man nicht auf der

Stelle tritt. Man muss abwägen: Ist das jetzt noch ein Running Gag – oder ist es ausgereizt und überholt?

War der Kinofilm technisch anspruchsvoller?

Die fünf Staffeln haben wir auf Digibeta gedreht – als wahrscheinlich letzte Serie im deutschen Fernsehen.

Für STROMBERG – DER FILM haben wir erstmals die Alexa-Digitalkamera eingesetzt. Da ging es darum,

einerseits einen etwas hochwertigeren Look zu erzielen, andererseits aber doch einen Wiedererkennungswert

zu bieten. Der Film sieht besser aus, ist aber visuell dennoch klar im „Stromberg-Kosmos“ verortet,

das war wichtig. Und natürlich war es insgesamt ein größerer Aufwand. Das Team war größer, der ganze

Zirkus war größer, man musste nur Acht geben, dass man trotzdem nicht unbeweglich wird. Sonst kann

es schnell sein, dass die Zeit und vermeintliche Freiheit knapp wird.

Wie gingen Sie mit dem Bewusstsein um, dass der Film den Schlusspunkt für „Stromberg“ bildet?

Ein bisschen Trauer schwang da schon mit, wenn man, einen nach dem anderen, die vereinzelten Mitarbeiter

verabschiedete, wenn man wusste: Der hatte jetzt seine allerletzte Szene. Und schließlich kam

dann auch die allerletzte Szene. Das war schon eine besondere Atmosphäre, die während des Drehs

herrschte, auch wenn man das angesichts des hohen Drehpensums nicht immer verinnerlichen konnte.

Viele der Beteiligten werde ich sicherlich wieder sehen, mit einigen werde ich auch wieder arbeiten,

wie z.B. jetzt mit Bjarne Mädel. Dafür habe ich den Figuren Lebewohl gesagt, was unendlich traurig

war. Mir war bewusst: Das war es jetzt.

15

Film

„DEM STROMBERG KANN MAN VIEL ZUMUTEN“

Ein Gespräch mit Christoph Maria Herbst

Mehr noch als bei der Serie fällt bei dem Film auf, dass Bernd Stromberg nicht einfach eine Figur zum

Lachen oder Fremdschämen ist, sondern dass sie auch eine große Emotionalität entwickelt.

Das war mir immer wichtig. Ich wollte nie, dass Bernd Stromberg nur so eine Abziehfigur ist, die in

einem merkwürdigen Büro rumturnt. Er sollte den Zuschauer immer auch berühren. Und das Drehbuch

für den Film hat mich berührt. Wenn sich das nun durch unser Spiel, unsere Performance einlösen

sollte, dann ist das natürlich besonders toll.

Sie spielen den Stromberg seit fast zehn Jahren. Ist das noch eine Herausforderung?

Wir haben es tatsächlich geschafft, den Stromberg in den fünf Staffeln immer wieder aus einem anderen

Blickwinkel zu betrachten. Für mich wäre z.B. vor zehn Jahren, als wir „Stromberg“ aus der Taufe

hoben, noch nicht denkbar gewesen, dass er sich auch verlieben kann, dass er es mit einer Frau auf

seine Weise wirklich ernst meinen könnte. Wir wussten damals zwar, dass er verheiratet ist, aber da

haben wir seine Frau ja erst einmal noch nicht gesehen. Das kam erst später. Das ging dann irgendwann

in die Brüche. Und in die Jennifer Schirrmann ist er tatsächlich verliebt – auf seine Weise, dass muss

ich immer dazu sagen. Diese anderen Facetten, die uns Menschen im Unterschied zum Tier letztlich

auch ausmachen, dass wir mehr sind als Arbeitstier, sondern auch ein Hauch Privatheit dabei ist, das

hat mir im Lauf der fünf Staffeln immer gut gefallen. Und nun kommt im Film noch eine universelle

Seite dazu. Das hat mir diese Figur ein weiteres Mal sehr kurzweilig vorkommen lassen und sie auch

mit großer Kurzweil spielen lassen. Entscheidend war uns, nicht auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln,

sondern zu versuchen, das Rad jedes Mal noch weiter zu drehen. Eine Figur wie Stromberg hält das

alles aus – der Figur kann man viel zumuten. Und dem Publikum kann man viel mit der Figur zumuten.

Glauben Sie Stromberg heute besser zu kennen als damals? Hat die Figur noch Geheimnisse für Sie?

Der Gralshüter ist Ralf Husmann. Und der entlockt Stromberg die allermeisten Geheimnisse. Ich habe

es immer schon gesagt, dass Ralf Husmann viel mehr Stromberg ist als ich. Klar, ich gebe ihm meinen

Körper, meine Stimme, meine Mimik. Aber die Haltung, auf’s Leben zu gucken, ist bei Ralf Husmann

viel mehr Zuhause als bei mir. Ich stelle aber fest, dass es sehr viel Spaß macht, eine Figur, die man

Jahre lang in eine gewisse Richtung gespielt hat, auf einmal konfrontiert zu sehen mit einem Liebesbekenntnis

oder dem ohnmächtigen Versuch, mit einer Frau über Gefühle zu reden. In dem Moment

mache ich mir Zuhause gar nicht so viele Gedanken, wie könnte ich das jetzt spielen. Das passiert am

Set. Man lernt diesen Text, und wenn man beim Dreh wirklich mit dieser Realität konfrontiert wird,

wenn man vor dem realen Büro steht, vor der realen Jennifer Schirrmann, gespielt von der wunderbaren

Milena Dreißig, lässt man es einfach fließen.

Wenn es Ihnen nicht so wichtig ist, dass Stromberg Sie überraschen muss, stellt sich doch gleich die Frage:

Überrascht Sie Ralf Husmann mit dem, was er sich für ihn einfallen lässt?

Der Husmann und seine Autorinnen und Autoren überraschen mich immer wieder total. Es ist immer

wieder ein Fest, seine Bücher überhaupt ins Haus geschickt zu bekommen. Ich erlebe das bei keinem an-

16

Film

deren Autor oder keiner anderen Produktion, dass man sich die Texte eben nicht mit dem gespitzten Bleistift

durchlesen, Fragezeichen an den Rand machen oder ganze Sätze umstellen muss. Man muss nicht

am Rand Anmerkungen machen wie: So spricht doch keiner. Oder: Verstehe ich nicht. Wenn die „Stromberg“-

Bücher ins Haus geflattert kommen, lasse ich mir ein Vollbad ein und öffne eine Flasche Rotwein,

weil man sich dann von A bis Z nur noch freuen kann. Und ja, dann wundere selbst ich – der sicherlich zu

den Leuten gehört, die Stromberg am besten kennen – mich unentwegt: Ach, das macht er jetzt auch

noch? Oder: Aha, in diese Richtung kann man den ja auch treiben. Ich glaube das, was ich lese. Ich habe

mich oft überraschen lassen. Und das trifft für das Drehbuch für den Kinofilm genauso zu. Ich spiele den

Stromberg nur so lange gerne, wie ich mich von ihm selbst auch zum Narren halten lassen kann.

Fällt es Ihnen leicht, Stromberg „zu werden“?

Stromberg zu werden ist tatsächlich ein physischer Prozess. Ich lasse diesen Haarkranz wachsen. Allein

das nimmt fünf bis sechs Wochen in Anspruch, bis der diese Drei-Zentimeter-Dichte hat und diese

Strombergsche Flauschigkeit. Für den Klobrillenbart brauche ich etwa die Hälfte dieser Zeit. Währenddessen

wachse ich regelrecht phänotypisch in den Bernd hinein. Und wenn ich die Texte lerne, mache

ich den Sack dann zu. Sobald ich am Set stehe, ist es für mich kein Stochern im Nebel mehr. In dem

Moment, in dem ich die Ernies und Ulfs und Tanjas um mich mir sehe, bin ich wie ferngesteuert, wie

ein Zombie. Ich bin dann Stromberg. Aber ich streife nie an der Pathologie entlang. Natürlich bin ich

mir immer bewusst, dass ich Schauspieler bin und eine Figur spiele. Es ist nicht so, dass der Stromberg

mich in der Hand hätte und ich seine Marionette wäre. Wenn ich abends nach Hause komme, dann

weiß ich auch, was ich getan habe. Ich gucke dann in den Spiegel und sehe immer noch die Fratze von

Bernd. Aber meine Liebsten um mich herum, sehen spätestens in meinen Augen, wen sie vor sich haben.

Alles andere wäre auch schlimm.

Gibt es Momente, in denen Sie Stromberg verabscheuen? Oder macht er für Sie immer Sinn?

Das eine schließt das andere nicht aus. Sicher gibt es Augenblicke, in denen ich den Bernd verabscheue.

Aber es gibt niemals Augenblicke, in denen ich sage: Das kann ich nicht spielen. Es ist nun mal Stromberg

in diesem Moment. Es macht Sinn, es ist in sich schlüssig, wenn er einer schwarzen Putzfrau an

den Hintern fasst oder es so wirkt, als sei er der schwangeren Jennifer zugewandt, obwohl es ihm doch

nur wichtig ist, einen überdachten Parkplatz zu kriegen. Das sind Dinge, wo ich abends schon mal ein

paar Minuten länger unter der Dusche stehe, weil ich das Gefühl habe, da sind noch Reste, die ich abwaschen

muss. Aber innerhalb des „Kosmos Stromberg“ macht es Sinn. Und es widert mich trotzdem

an. Aber das ist auch das Schöne: Wenn es mich nicht anwidern würde, wie kann ich dann erwarten,

dass es dem Zuschauer so geht. Denn wir wollen doch Figuren spielen, die den Zuschauer bewegen,

die ihm durch den Kopf gehen und die ihn den Kopf schütteln lassen. Den Stromberg will ich so spielen,

dass man ihn in den Arm nehmen, ihm aber gleichzeitig auch einen Tritt in den Hintern verpassen will.

Musste man bei Ihnen Überzeugungsarbeit leisten, Stromberg auch fürs Kino zu spielen?

Ich musste ein bisschen überlegen, ob ich mir den Stromberg auch im Kino vorstellen kann, kam dann

aber schnell zu der Überzeugung, dass das bei Ralf Husmann in den richtigen Händen lag. Husmann

hat ja schon bewiesen, dass er mehr beherrscht als den Drei.igminüter. „Dr. Psycho“ lief eine Stunde

und war vorzüglich. Und 60 plus 30 – das ist schon fast ein ganzer Kinofilm. Mir war klar, dass der Hus-

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Film

mann nicht einfach vier Folgen „Stromberg“ nehmen und zu einem Kinofilm zusammenschweißen

würde. Der Mann hat Ahnung von Dramaturgie. Ich habe also einmal tief durchgeatmet und gesagt:

Tolle Idee, ihr kriegt das sicherlich hin. Es wäre doch ein Ritterschlag, die „Stromberg“-Welt auf die

Leinwand zu hieven, bevor wir den Stecker ziehen.

War es anders, Stromberg fürs Kino zu spielen?

Im Grunde spielt das Format für mich keine Rolle. Aber eine andere Verantwortung hat man schon, bei

dem deutlich höheren Aufwand und dem Bewusstsein, dass die Fangemeinde mit Hilfe des Crowdfunding

ein klares Votum für „Stromberg“ und den Film abgegeben hat. Aber auf den Dreh selbst hatte das keinerlei

Auswirkung. Das Format ist egal. Wir machen zwar Comedy, aber wir nehmen unfassbar ernst,

was wir da tun. Da spaßen wir nicht. Komödie ist letztlich nichts anderes als Tragödie plus Timing.

Und das fordert Ihr Regisseur ein?

Mein Latein ist sehr bescheiden, aber hier will ich es einsetzen: Per aspera ad astra. Der Weg ist oft ein

sehr steiniger. Und das liegt bei „Stromberg“ daran, dass Arne Feldhusen ein ungemein pingeliger Regisseur

ist und immer wahnsinnig genau hinguckt. Von der Arbeitsweise ist er absolut Loriot-verdächtig.

Nicht zuletzt, weil Sie das pseudodokumentarische Format gewählt haben, das Beliebigkeit suggerieren

muss, aber nie beliebig sein darf.

Hier muss ich unseren kongenialen Kameramann Johannes Imdahl herausheben, der von der Doku

kommt. Das macht absolut Sinn bei „Stromberg“. Für mich ist er der wichtigste Mann am Set, Schauspieler,

Regisseur und Kameramann – er vereint alle drei Positionen in seinem schlaksigen 1.95-Meter-

Körper. Ich leide immer mit ihm, weil er aufgrund seiner Größe in die Knie gehen muss, um auf

Augenhöhe mit uns zu sein. Die Kamera bei „Stromberg“ ist keine agierende, sondern eine reagierende.

In jedem normalen Film ist der Schnitt zunächst auf die Tür und dann kommt jemand herein. Bei

„Stromberg“ ist es so, dass jemand die Tür öffnet und dann schwenkt die Kamera in die Richtung. Der

Vorgang des Durch-die-Tür-Gehens wird gar nicht aufgezeichnet. Johannes Imdahl muss da wie ein

Schauspieler sein, weil auch er jedes Mal wieder aufs Neue wirken muss, als sei er überrascht. Und

dann spielt er dabei noch meisterlich mit Unschärfen, wackelt etwas herum, damit man das Gefühl

hat, jemand sei da live dabei und wisse auch nicht, was als nächstes kommt.

War es wichtig, dass STROMBERG – DER FILM mit einem aufeinander eingespielten Team vor und hinter

der Kamera gearbeitet hat?

Extrem wichtig. Der ausgelutschte Satz „Never change a winning team“ trifft bei uns absolut zu. Ich

gehe vorsichtig mit dem Begriff „Familie“ um, weil wir bei einer Film- oder Fernsehproduktion keine

Familie sind, sondern Kollegen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten und sich dann wieder in alle

Winde zerstreuen. Hier war aber die Kontinuität gegeben, dass sich über Kollegialität hinaus so etwas

wie familiäre Freundschaft entwickeln konnte. Das tut dem Format wahnsinnig gut, denn man muss

gar nicht viele Worte machen, kann ausgesprochen effizient arbeiten und Tacheles reden.

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Film

Versuchen Sie, bei der Gestaltung der Figur Stromberg Einfluss auf Ralf Husmann zu nehmen?

Nichts würde ich lieber tun, als die Figur als die meine zu reklamieren. Liebend gern würde ich behaupten,

er sei meine Idee gewesen, ich hätte ihn ausgearbeitet und ihn dann Ralf Husmann in den Laptop diktiert.

Leider ist es so nicht gewesen. Das geht auf Nico Paalzow, den damaligen Gesch.ftsführer von ProSieben

zurück, der in Montreux „The Office“ gesehen hatte und sich eine Serie in diesem Stil für seinen Sender

wünschte. Aus alter Bekanntschaft sprach er BRAINPOOL an, wo sich ein Mann namens Ralf Husmann

meldete, der sich an die Entwicklung machte. Ich kannte ihn damals noch gar nicht, spielte bei „Ladykracher“

mit Anke Engelke, bin ihm dort aufgefallen mit meiner vermeintlich englischen Spielweise, wie

er mir später erzählte. Er sprach mich also an und präsentierte mir „Stromberg“. Ich sagte aber zunächst

ab, weil ich mich dem „Ladykracher“-Team verpflichtet fühlte, und Husmann castete die Figur daher

erst einmal mit anderen. Er war aber nicht zufrieden, weil er keinen so richtig lustig finden wollte – also

habe ich doch noch angeboten es zu versuchen, und das fand er dann lustig. Und ich fand es abgefahren,

mit der Kamera zu spielen und so zu tun, als stünde da ein Reporter, der einem Fragen stellt. Stromberg

ist also Husmanns Baby. Ich verhelfe der Figur mit meiner Performance zu Transparenz und steuere das

Aussehen bei. Das immerhin geht vollumfänglich auf mich.

Der Kinofilm ist – zumindest vorläufig – der Schlusspunkt für „Stromberg“. Wie fühlen Sie sich damit?

Die letzten Drehtage kochte eine große Melancholie in uns allen hoch. Es war nicht ganz einfach nach

der tollen Zeit, die wir miteinander hatten, über all die Jahre hinweg. Umso mehr freuen wir uns darauf,

dass wir mit dem Kinofilm noch einmal eine richtige Rakete zünden können.

Was soll der Zuschauer aus dem Kino mitnehmen?

Er soll singend aus dem Kino kommen und „Lass das mal den Papa machen“ vor sich hinträllern.

„WENN MAN DA IN SEINEM ERNIE-KOSTÜM IRGENDWO

AUF DEM ACKER STEHT…“

Ein Gespräch mit Bjarne Mädel

Nach all den Jahren nun zum zumindest vorläufigen Abschluss ein Kinofilm mit Stromberg: Wie haben

Sie darauf reagiert?

Wir hatten ja schon lange darauf hingefiebert. Die Idee kam vor Jahren auf, als wir für Fans im Kino ein

paar Folgen hintereinander gezeigt haben. Wir durften dort dabei sein und haben gesehen, wie unglaublich

das abgefeiert wurde. Da kam uns der Gedanke, dass die Geschichte eigentlich auch im Kino funktionieren

kann. Dann hat es aber lange Zeit nicht geklappt, es gab Schwierigkeiten bei der Finanzierung, irgendwann

habe ich fast selbst schon nicht mehr daran geglaubt. Als es dann klar war, dass wir es doch auf die Reihe

kriegen, habe ich mich tierisch gefreut. Zum einen, weil ich noch mal den Ernie auspacken durfte, zum anderen,

weil ich wieder mit den Kollegen zusammen spielen, das Team wieder treffen konnte. Und jetzt

freue ich mich, das auf der großen Leinwand zu sehen. Es war insgesamt ein riesengroßer Spaß.

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Film

War es anders, den Ernie fürs Kino zu spielen?

Für uns Schauspieler war das im Gunde komplett egal. Mir fiel nur auf, dass wir manchmal ein wenig

mehr Zeit hatten, dass man nicht so gehetzt durch den Tag kommen musste wie üblich. Das hat die

Arbeit angenehmer gemacht. Andererseits waren wir auch viel draußen bei Minusgraden. Wenn man

da in seinem Ernie-Kostüm irgendwo auf dem Acker steht, ist das nicht so kuschelig wie bei den Aufnahmen

fürs Fernsehen, die alle im Büro stattfanden.

Wie fühlt es sich an, eine Figur über so viele Jahre zu begleiten?

Ich finde es tatsächlich ziemlich schwierig. Am Anfang war das alles Neuland für mich, denn ich hatte

vor „Stromberg“ tatsächlich noch nicht viel vor der Kamera gearbeitet. Mit der Zeit bekommt man eine

gewisse Routine – das war für mich eine sehr positive Erfahrung. Schwierig wurde es für mich in Staffel

fünf, als Ernie nach seiner großen depressiven Phase wieder total aufdrehen durfte und die ganze Zeit

fast hysterisch am Rad gedreht hat. Da habe ich im Nachhinein gemerkt, dass ich an manchen Stellen

vielleicht zu viel gemacht hatte, dass die Figur mir dann selbst sogar schon etwas auf den Geist zu

gehen anfing. Deshalb war ich froh, jetzt den Kinofilm machen zu dürfen und Ernie noch mal anders

zeigen zu können, auch wieder in ruhigen und skurrilen und nicht nur hysterischen Momenten. Für

mich ist der Kinofilm daher ein sehr versöhnlicher Abschluss mit der Figur. Ich habe Ernie viel zu verdanken

und hätte ohne die Rolle viele Nachfolgeangebote wahrscheinlich gar nicht bekommen. Insofern

habe ich mich sehr liebevoll von ihm verabschiedet.

Ralf Husmann gilt als sehr strikter Autor, der sich ungern von den Schauspielern beeinflussen will – erzählt

zumindest Christoph Maria Herbst im Fall von Bernd Stromberg.

Bei meiner Rolle ist das genauso. Ralf ist diesbezüglich geradezu autistisch und lässt uns ungern mitreden.

Das ist aber ganz gut so, wie ich finde. Wenn jetzt jeder Schauspieler auch noch anfinge, sich

was zu wünschen…. Ich durfte mir in der ganzen Zeit einen einzigen Satz wünschen – das war alles. Ich

muss aber auch ganz klar sagen: Die Bücher sind immer so toll gewesen, dass man sich ohne Wenn

und Aber darauf einlassen konnte. Und auch das Drehbuch für den Kinofilm war fantastisch: Man liest

es und freut sich darauf, es spielen zu dürfen.

„Stromberg“ zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Art von Komödie ist, die es zuvor in Deutschland

noch nicht gegeben hat: eine, die im Grunde gar nicht lustig ist. Stellt das einen Komödianten nicht vor

große Herausforderungen?

Das ist richtig. Zum Glück unterscheide ich mich privat sehr von dem Charakter, den ich spiele. Manchmal,

wenn ich die Rolle zu sehr „runtergeschraubt“ und sie „normaler“ gespielt habe, hat Arne gesagt:

„Schon gut, aber das ist jetzt nicht mehr Ernie.“ Ernie ist einfach immer ein bisschen „drüber“. Ich kann

mich noch erinnern, dass sich Stromberg gleich in der ersten Staffel extrem durch Gestus und Sprache

etabliert hat, und Ernie war immer schon eine überdrehte, überzeichnete Figur eines Nerds, einer stinkenden

Büroam.be. Die Normalen waren Ulf und Tanja. Allerdings hat sich das alles mehr und mehr

verwischt. Ich habe die Figuren im Lauf der Zeit so angenommen, wie sie sind, und habe sie nicht mehr

nur als Kunstfiguren wahrgenommen. Lustig sein ohne lustig sein zu wollen, ist ja immer der Trick. Ich

empfand meine Arbeit als Schauspieler hier immer als eine Art Gratwanderung, denn schließlich

musste ich den Typen so übertrieben und trotzdem noch glaubhaft spielen. Welcher Mensch haut sich

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Film

schon freiwillig eine Schranktür von hinten an den Kopf? Das sind Sachen, bei denen man sich denkt,

das kann man doch nicht ernsthaft anbieten, weil es zu doof ist. Und trotzdem ist es dann einer der

lustigsten Ernie-Momente geworden.

Dadurch, dass der Humor bei „Stromberg“ nicht so sehr auf einzelnen Gags oder Pointen, sondern in

den Pausen dazwischen sitzt, entsteht etwas sehr Komisches, regelrecht Aberwitziges – gerade auch

bei den tragischen Momenten. Merken Sie selbst beim Spielen, wenn es witzig ist?

Das merkt man schon. Und es passiert ja auch nicht aus Versehen, sondern ist beabsichtigt und geprobt.

Manchmal ist man sich zwar in der Außenwirkung nicht so sicher, aber grundsätzlich wissen wir, wenn

es klick macht, wenn es funktioniert. Wobei ich anmerken möchte, dass Arne das durch seinen Gesamtblick

am besten einschätzen kann.

Zu Arne Feldhusen haben Sie auch einen besonders intensiven Draht, mit ihm drehen Sie nicht nur

„Stromberg“. Was sind seine Qualitäten als Regisseur?

Die Projekte, die ich mit ihm gemacht habe – Ernie, „Mord mit Aussicht“ und „Tatortreiniger“ –, sind

alle gut geworden, weil sie konsequent waren, „Arne-konsequent“. Weil er die Sachen so gemacht hat,

wie er selbst sie gut findet. Ich glaube, deshalb mag ich die Arbeit mit ihm auch so. Er nimmt keine

Rücksicht auf irgendwelche möglichen Geschmäcker des Publikums. Er muss selbst das Gefühl haben,

dass es stimmt und richtig ist. Darüber hinaus mag ich, wie Arne sich seine Leute aussucht, wie er das

Casting macht, das ist ja auch schon die halbe Miete. Auch das Team drum herum ist sehr viel wichtiger

als viele denken, weil eine bestimmte Stimmung erzeugt wird, in der deutlich wird, ob hier Kreativität

möglich ist oder nicht. Bei Arne sind es immer Teams, die nicht nur da sind, um Geld zu verdienen. Sie

sind da, weil sie das Produkt mögen und weil sie gerne z.B. das Licht für „Stromberg“ aufbauen, gerne

die Kostüme waschen für unsere Figuren. Das ist ein gemeinsamer Geist – und der hat viel mit Arne zu

tun, weil er es ist, der die Teams zusammenstellt. Seine Sachen haben Herzblut. Sicherlich ist der Zeitdruck

auch da, aber wir haben immer eine Menge Spaß. Und im Konkreten hat er ein sehr gutes Timing-

Gefühl, einen sehr guten Blick, und er macht oft Vorschläge, auf die man selbst nicht gekommen

wäre. Nach den Dreharbeiten von „Stromberg“ haben wir alle gemerkt, wie schwer es ist, loszulassen,

immerhin haben wir zehn Jahre daran gearbeitet.

Arbeiten Sie mit ihm beim „Tatortreiniger“ anders als bei „Stromberg“?

Schon, zumal ich beim „Tatortreiniger“ viel mehr in die Entwicklung eingebunden bin. Das Casting machen

wir beispielsweise zusammen, das ist dann etwas komplett anderes. Beim „Tatortreiniger“ lastet

auch ein ganz anderer Druck auf mir als bei „Stromberg“, wo Christoph derjenige ist, der im Vordergrund

steht. Ich habe mir bei Christoph sehr viel abgeguckt. Ich würde ihn niemals kopieren, aber er

bringt einfach eine wahnsinnige Professionalität mit, ist immer perfekt vorbereitet, kommt morgens

ans Set und macht Stimmung. Er legt einen Schalter um und funktioniert. Ich weiß jetzt von meiner

Arbeit am „Tatortreiniger“, wie viel Kraft das kostet, vor allem an Tagen, an denen man selbst nicht

gut drauf ist. Das ist aber eine Verpflichtung: Die Hauptdarsteller geben die Energie vor, mit der eine

Arbeit dann läuft.

 

 

 

 

 

 

 

Updated: 19/02/2014 — 13:11
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